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Winterwetter

Autor: Peer Röhner (roehnermuk.uni-hannover.de)

"No other industry is more sensitive to weather than the aeronautical industry. In spite of our improved ability to observe and forecast the weather to a greater degree of accuracy than ever before, adverse meteorological conditions continue to severely impact the operational safety and efficiency, as well as the system's capacity. The impact of severe weather [...] reaches far beyond the commercial aircraft in the sky. It reaches down into airline scheduling, airport management, cost control, and passenger convenience. [...]''

 

Wetter spielt, wie dieses Zitat aus einem amerikanischen Artikel mit dem Titel "Impact of weather on aviation: A global view" (Sprinkle, 1991) zeigt, auch heute noch eine entscheidende Rolle im Flugverkehr. Zwar konnte in den letzten Jahren und Jahrzehnten mit Hilfe technischer Fortschritte und verbesserter Wettervorhersagen im Zusammenspiel mit einem tieferen Verständnis für atmosphärenphysikalische Prozesse die Abhängigkeit vom Wetter vermindert werden. Trotzdem stellt es auch heute noch einen limitierenden Faktor im Flugbetrieb dar, wie amerikanische Studien eindeutig belegen (siehe z.B. Evans, 1995).

 

Winterliche Wetterbedingungen auf Flughäfen sorgen in vielen Bereichen für erschwerte Arbeitsbedingungen und sind Ursache potentieller Gefahrensituationen, auf die mit speziellen Maßnahmen reagiert werden muss. Neben den für Passagiere offensichtlichen Auswirkungen wie Verspätungen oder Flugstreichungen, stehen aus flugbetrieblicher Sicht Entscheidungen auf dem Gebiet der Verkehrs- und Flugsicherheit im Vordergrund.

 

Als für die Winterperiode typisches Phänomen ist die Vereisung anzusehen. Diese tritt am Boden an Luftfahrzeugen (ground icing) und auf Straßen und Bewegungsflächen auf, ist aber für Luftfahrzeuge auch während des Fluges (in-flight icing) ein ernstzunehmender Faktor. Hieraus ergibt sich eine natürliche Unterteilung in zwei große Bereiche: "Flächenvereisung" und "Flugzeugvereisung". Unter Flugzeugvereisung ist das Anhaften von Eis verschiedenster Form und unterschiedlichster Entstehung an der Außenhaut und insbesondere den Tragflächen eines Luftfahrzeuges zu verstehen. Flächenvereisung umfasst alle Kontaminationen der Bewegungsflächen und Straßen des Flughafens mit Schnee und Eis. In diesem Zusammenhang sind also meteorologische Parameter wie Frost, Bodenfrost, Schneefall, gefrierende Niederschläge, Schneedecke, Glatteis und Eisglätte von Interesse.

 

Kontaminationen der Flugbetriebsflächen sind Ursache für ein verändertes Steuerungsverhalten von Luftfahrzeugen am Boden. Wasser, Eis oder Schnee, speziell auf Roll- und SL-Bahnen, verändern die Reibungswerte und sind somit bei Starts und Landungen in ihrer Wirkung mit einzubeziehen. Niedrigere Beschleunigungswerte oder schlechtere Bremskoeffizienten bis hin zu Aquaplaning sind die Folge. Neben diesen primären Auswirkungen spielt auch die Beeinträchtigung des Kfz-Verkehrs eine entscheidende Rolle. Fluggästen muss die Erreichbarkeit des Flughafens ermöglicht werden, ebenso muss die Nutzbarkeit bzw. Befahrbarkeit der internen Straßen und Flächen gewährleistet sein, ohne die ein Flugbetrieb nicht möglich wäre. Von der ICAO wurden deshalb Konventionen geschaffen, denen in Bezug auf Verfahren und Vorgehensweisen Folge zu leisten ist. Zu nennen sind hier vor allem der "ICAO Annex 14 to the Convention on International Civil Aviation-Aerodromes" und das "Airport Service Manual, Pavement Surface Conditions". Ergänzend dazu ist der "Ständige Schneeplan" des "Luftfahrthandbuches Deutschland (AIP)" zu sehen.

 

 

Enteisung auf dem Flughafen Frankfurt (Quelle: N*ICE).

 

Eine Tatsache, die bereits aus den Anfängen der Fliegerei bekannt ist, ist dass das Anhaften von Eis, Schnee oder Raureif auf den Oberflächen von Flugzeugen die Oberflächenbeschaffenheit derart verändern kann, dass das Beschleunigungs- und Steigvermögen maßgeblich beeinträchtigt wird. Aus Flugsicherheitsgründen ist es darum notwendig, diese vor dem Start zu enteisen (Clean Aircraft Concept) und vor erneuter Vereisung zu schützen. In der modernen Flugzeugenteisung werden deshalb seit Jahren fortschrittliche chemische Enteisungsmittel eingesetzt, die nach den in ISO- und SAE-Normen festgeschriebenen Richtlinien einen kontinuierlichen Flugbetrieb im Winter überhaupt erst ermöglichen.

 

Entsprechend der Unterteilung in Flächen- und Flugzeugvereisung umfasst der Flughafen-Winterbetrieb am Boden daher zwei große Bereiche: die "Flächenenteisung" und die "Flugzeugenteisung". Unter ersterer versteht man die Organisation und Durchführung aller Maßnahmen, die zur Verhinderung oder Bekämpfung von Kontaminationen von Straßen und Bewegungsflächen mit Schnee und Eis eingeleitet werden. Flugzeugenteisung umfasst sowohl das Enteisen (De-icing) von Luftfahrzeugen am Boden als auch das sogenannte Anti-icing, also das Behandeln von Flugzeugoberflächen zum Schutz vor erneutem Eisansatz oder Schneeakkumulation.

 

Die Vereisung als wintertypischer Wetterparameter, hervorgerufen durch Reif, Schneefall oder gefrierende Niederschläge unterscheidet sich mit Bezug auf die oben beschriebenen Maßnahmen maßgeblich von anderen den Flugbetrieb beeinflussenden Größen wie bspw. Starkniederschlägen, Nebel oder Gewittern. Während man diesen mehr oder weniger machtlos gegenüber steht, können gegen Vereisung aktive Maßnahmen ergriffen werden. Der Flughafenbetreiber kann unter gewissen Einschränkungen selbst bestimmen, inwieweit er mit Hilfe der Flächen- und Flugzeugenteisung die Aufrechterhaltung des Flugbetriebes gewährleisten kann und will.