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Wetterbedingte Verspätungen

Autor: Cathleen Peer (Cathleen.Peeraustrocontrol.at)

Fliegen zählt laut Statistik zu den sichersten Arten zu reisen. Die Sicherheit und Effizienz des Luftverkehrs kann durch verschiedene Wetterphänomene negativ beeinflusst werden. Hauptsächlich betroffen ist hierbei der unmittelbare Nahverkehrsbereich eines Flughafens. Verspätungen, Flugstreichungen, Umleitungen aber auch reduzierte Annahmekapazität des Flughafens bis hin zu Unfällen können mögliche Konsequenzen von auftretendem Schlechtwetter sein.

Warten auf die Starterlaubnis am Flughafen Innsbruck

Der Luftverkehr reagiert so sensibel auf ungünstige Wetterbedingungen, wie sonst keine andere Verkehrskategorie. Schlechtes Wetter hat maßgebliche Auswirkungen auf die Sicherheit, Effizienz und Pünktlichkeit von Flugzeugen. Zu den kritischen Wetterbedingungen zählen zum einen Gewitter und damit einhergehende Phänomene wie Turbulenz, Böen, Windscherung und starke Regenfälle, zum anderen sorgen starke Schneefälle und verringerte Sichten aufgrund von Nebel für erschwerte Bedingungen. Alle diese genannten Phänomene haben Auswirkungen auf die Sicherheit und begünstigen das Auftreten problematischen Situationen. Ein erhöhtes Gefahrenpotential führt zu einer Reduzierung der Annahmekapazität eines Flughafens, hervorgerufen durch die beispielsweise Vergrößerung der Abstände zwischen startenden bzw. landenden Flugzeugen. Erhöhte Wartezeiten am Boden führen zu längeren Wartezeiten in der Luft, die sich wiederum in zusätzlich zu fliegenden Warteschleifen und damit erhöhtem Kerosinverbrauch bemerkbar machen. Außerdem kann es je nach Ausdehnung und Auftreten eines bestimmten Wetterphänomens zur Schließung einer oder aller Start - bzw. Landebahnen kommen. Aber nicht nur die Annahmekapazität eines betroffenen Flughafens wird reduziert. Die Kapazität eines Teiles oder eines gesamten Luftraumes kann sich verringern. Die spürbaren Konsequenzen für den Passagier sind erhöhte Wartezeiten am Flughafen, Umleitungen oder Flugstreichungen.

 

Grundsätzlich unterscheidet sich der Einfluss des Wetters auf den Luftverkehr in den verschiedenen Flugphasen. Die größten Auswirkungen treten bei Start und Landung auf. So können Windscherungen, starker Schneefall oder reduzierte Sicht Gefahren bei Start und Landung hervorrufen. Mit "Clear Air Turbulence" (CAT) hingegen ist typischerweise während des Reisefluges in größeren Höhen zu rechnen. Ein besonderes Augenmerk ist daher auf den Flughafen selbst und seine unmittelbare Umgebung gerichtet. Grundlegende Eigenschaften eines Flughafens, wie Orientierung der Start - bzw. Landebahnen, Annahmekapazität, Navigationsanlagen, Topographie und Auftreten lokaler Wetterereignisse machen jeden Flughafen anfällig für bestimmte Wetterphänomene. Die Konsequenz hieraus ist, dass für jeden Flughafen eine eigene Klimatologie für das Auftreten und die Häufigkeit bestimmter Wetterereignisse erstellt werden muss. Dies gilt sowohl für den Neubau eines Flughafens als auch für die Erweiterung eines Bestehenden. Verfahrensweisen, welche für einen Flughafen gefunden wurden, können nicht automatisch auf einen anderen angewendet werden.

Verteilung von wetterbedingten Abflugverspätungen, dargestellt für die einzelnen Monate (Angaben in Prozent, für den Flughafen Wien im Jahre 2002) Die Abbildung zeigt deutlich erhöhte Werte in den Winter - und Sommermonaten, was in engem Zusammenhang mit dem Auftreten von Gewittern, Böen und starken Regenfällen im Sommer und dem Auftreten von starken Schneefällen und geringen Sichten aufgrund von Nebel im Winter steht.
Anzahl der Tage, an denen wetterbedingte Verspätungen aufgezeichnet wurden. (Abbildung für den Flughafen Wien im Jahre 2002). Im Januar und Dezember traten an jedem Tag wetterbedingte Verspätungen auf. Beide: Ähnliche Verteilungen konnten auch in anderen Jahren und für verschiedene Flughäfen gefunden werden.

Die Gesamtanzahl aller Abflug - und Ankunftsverspätungen, die an einem Flughafen registriert werden, hängt sehr stark von der Zahl der jeweils betroffenen Flugzeuge und der Gesamtanzahl an Flugbewegungen ab. Der Unterschied zwischen aktueller und vermeintlicher Kapazität entscheidet über die Effizienz des Flughafens. Der negative Einfluss des Wetters auf die Kapazität und somit auch auf die Effizienz eines Flughafens kann durch eine präzisere und schneller Prognose und Diagnose ungünstiger Wetterereignisse verringert werden. Von großer Wichtigkeit hierbei ist, die entsprechenden Wetterphänomene rechtzeitig vor deren Auftreten zu identifizieren und diese Information so schnell wie möglich an die Luftverkehrskontrollbehörden weiterzuleiten. Diese haben dann genügend Zeit und Spielraum um entsprechende Maßnahmen, wie zum Beispiel den Wechsel auf eine andere Flugfläche anzuordnen. Dies führt dazu, dass bestimmte Lufträume effektiver genutzt werden, während andere gemieden werden. Uneffektive Nutzung von Lufträumen führt zur Produktion enormer Kosten, die von den Airlines, Flughäfen und nicht zuletzt von den Passagieren zu tragen sind. 

 

Verspätungen, die an einem Flughafen entstehen, können durchaus zu einem anderen Flughafen transportiert werden. In Abhängigkeit von der Zeitspanne zwischen ankommenden Flug und Anschlussflug kann eine Verspätung auf einen anderen Flug übertragen werden. Solche Verspätungen werden dann zu den verschiedensten Flugzielen verschleppt. Es besteht darüber hinaus die Möglichkeit, dass eine Verspätung zu jenem Flughafen zurückgebracht wird, wo sie entstanden ist. Im Falle von ausgedehnten Wetterphänomenen, wie zum Beispiel Gewitterfronten, die ein Ausweichen schwierig oder nahezu unmöglich machen, können Verspätungen zu weit entfernten Flugzielen gebracht werden. Diese "verspätungsinfizierten" Flugzeuge bringen Verspätungen zu Orten, die von schlechtem Wetter verschont blieben. Dies äußert sich dann in sog. "wetterbedingten" Verspätungen, obwohl gutes Wetter am betreffenden Flughafen vorherrscht. Somit wird klar, dass sowohl Abflug - als auch Ankunftsverspätungen ein mehr oder weniger weitläufiges horizontales Phänomen ist, welches von den Flughäfen bestimmt wird, die unter schlechtem Wettereinfluss stehen und per Flugzeug über den täglichen Flugplan in ganz Europa verteilt wird.

Vergleichende Darstellung von Verspätungen an Tagen mit typischem winterlichem Schlechtwetter (links) bzw. typischem sommerlichem Schlechtwetter (rechts) mit Verspätungen, die bei schönem Wetter auftraten. (Abbildung für den Flughafen Wien im Jahre 2002). Als typisches Schlechtwetter im Winter wurden alle Tage im Januar, Februar und Dezember mit Sichten unter 1500m, Wolkenuntergrenze unter 200ft, Nebel, Niederschlag in Form von Schnee, Schneeregen, Niesel, gefrierender Regen, gefrierender Niesel, gefrierender Nebel und Schneetreiben betrachtet. Als typisches Schlechtwetter im Sommer wurden alle Tage im Juni, Juli und August mit Gewitter, Regen und / oder Regenschauer betrachtet. Beide Abbildungen zeigen deutlich, dass mit dem Auftreten von schlechtem Wetter wesentlich mehr Verspätungen verzeichnet werden als bei schönem Wetter.

Bezugnehmend auf die beiden letzten Abbildungen oben, kann man abschließend sagen, dass das Wetter definitiv einen großen Einfluss auf die Effizienz von Flughäfen hat. Bei Untersuchungen und Anstrengungen bezüglich der Erhöhung der Kapazität von Flughäfen und Lufträumen, sollte man diesen Einflussfaktor nie außer Acht lassen. Wir können das Wetter nicht ändern. Seinen negativen Einfluss aber können wir mindern, indem wir an der Verbesserung der Vorhersagemethoden und einer gemeinsamen Entscheidungsfindung aller Beteiligten arbeiten. Ein großes Ziel für die Zukunft sollte sein, den Einfluss des schlechten Wetters berechenbarer zu machen, um den Fortbestand von qualifizierten und verantwortungsbewussten Flugwetterdiensten abzusichern. Auch wenn die ökonomischen und finanziellen Auswirkungen des Wetters auf die Luftfahrt nach wie vor schwierig abzuschätzen sind, ist eines jedoch offensichtlich:

  • Reduzierte Verspätungen sorgen für eine Erhöhung der Kapazität eines Flughafens und verbessern somit seine Effizienz.
  • Weniger Verspätungen bedeuten auch eine Verringerung des Kerosinverbrauchs und sorgen damit für einen positiven Effekt für die Umwelt.
  • Eine qualitativ hochwertige Vorhersage führt unmittelbar zu einer Erhöhung der Sicherheit. Alle diese genannten Punkte wirken sich somit positiv auf die Fluggesellschaften und in weiterer Folge auf die Passagiere aus.

Danksagung: Ein herzlicher Dank gilt der Austrocontrol (Österreichische Gesellschaft für Zivilluftfahrt mbH, Abteilung Meteorologie, Flughafen Innsbruck), außerdem den Austrian Airlines und der Universität Innsbruck, Institut für Meteorologie und Geophysik. Sie alle unterstützten die Studien von wetterbedingten Flugverspätungen.

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